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61 Jahre ohne Facebook – Provokation oder einfach eine Feststellung?

61 Jahre ohne Facebook – Provokation oder einfach eine Feststellung?

Aus Neugierde fing ich vor einigen Jahren an, mich auf Facebook zu registrieren. Wahrscheinlich war ein Einverständnis mit den Vorgaben von Facebook verbunden, das mir nicht ganz geheuer erschien, weshalb ich es unterließ, die Registrierung fortzusetzen. Habe mich auch nie mehr weiter dafür interessiert.

Meine Söhne, meine Schwiegertöchter, meine Kollegen und viele Bekannte nützen dieses Medium. Somit bekomme ich am Rande mit, wozu diese Form der Kommunikation verwendet wird.

Ich lebe auch ohne Facebook ganz gut. Ich bin sehr gerne mit Menschen in Kontakt, aber mir ist der persönliche lieber. Ich unterhalte mich sehr gerne mit Menschen. Ich nehme mir Zeit zum „Dischgrier’n“( für ein Gespräch). So kann ich einerseits gut zuhören, aber auch sofort antworten oder reagieren, wenn es die Situation, das Gespräch erfordert. Ich bemerke auch die Emotionen meines Gegenübers. Dies ist über ein Gerät nicht möglich. Es werden zwar oft Aussagen emotionaler Art sehr schnell „hinaus geschickt“, die dann aber nicht mehr rückgängig gemacht werden können, wenn es einem nachher leid tut! Vorschnelles Agieren und Reagieren erzeugt weitere Emotionen, oft auch Hass, Beschimpfungen, Verurteilungen, die eine Spirale der negativen Stimmung erzeugen.

Im persönlichen Gespräch kann es auch zu harten Auseinandersetzungen kommen, aber das betrifft dann nur die zwei handelnden/diskutierenden Personen. Und wenn die beiden ein bisschen Hausverstand und Kompromissbereitschaft in sich haben, dann können sie sich, nach „Ablassen von Dampf“ vielleicht wieder auf einer Sachebene treffen.

Wenn ich mir die Inhalte, die über Facebook mitgeteilt werden, anschaue (anhöre), dann frage ich mich, ob es wirklich notwendig ist, diese „Informationen“ unbedingt Hunderten von „Freunden“ mitzuteilen?

Leite ich jeden Gedanken, jedes kleine Erlebnis, jeden momentanen Ärger sofort via Facebook weiter, so breite ich mein ganzes persönliches und intimes Leben vor vielen Menschen aus. Auch vor solchen, die mich nicht so gut kennen, die vielleicht meine Emotionen nicht verstehen können.

Hat man durch Facebook wirklich mehr „Freunde“? Helfen mir diese Freunde, wenn ich in Not bin, wenn ich Hilfe brauche? Da habe ich so meine Zweifel! Ein hilfreicher Nachbar, mein Ehepartner, ein Kollege oder jemand, der unmittelbar in meiner Nähe ist, ist sicher im konkreten Fall eine größere Stütze!

Ich will mit meinen Gedanken niemanden verurteilen, der sich dieser Medien bedient. Für mich ist es halt kein gangbarer Weg. Ich bin glücklicher, zufriedener, wenn ich die persönliche Begegnung pflege, das direkte Gespräch für den Gedankenaustausch nütze oder mir Zeit nehme, jemandem zuzuhören, der sich einfach ausreden möchte.

Da ich im Lehrberuf stehe, zusätzlich noch unsere Schule schon seit dreizehn Jahren leite, kommen nicht nur die Kollegen zu mir, sondern auch Kinder und Eltern. Viele laden ihre Sorgen ab, haben Fragen, wollen eine Hilfe. Dies könnte ich nicht über Facebook machen. Das geht nur auf persönlichem Wege. Und wenn ich dann als Rückmeldung bekomme: „Danke fürs Zuhören, danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Sie sind für mich wie eine Mutter!“, dann erfüllt mich dies mit großer Freude, die mir wahrscheinlich mittels Facebook nicht ermöglicht werden kann.

So werde ich auch den Rest meines Lebens – und ich hoffe, dass es noch einige Jahre in Gesundheit sein werden – dankbar für jedes Gespräch, jeden Kontakt, jede Begegnung in meiner schönen Umgebung (Schule am Fuße des Schöckls mit Blick über die gesamte Oststeiermark und zu Hause auf dem Bauernhof mit vielen Tieren, einem Obst – und Gemüsegarten und Mann, Kinder, Schwiegerkinder und Enkelkindern) in Freude verbringen.

Ich wünsche allen Facebook – Usern, dass sie es sinnvoll einsetzen und sich nicht von diesem Medium dirigieren und vereinnahmen lassen und danke, dass ich meine Gedanken veröffentlichen durfte.

Mit lieben Grüßen
Johanna Eckart

Titelbild: Dank an Ben_Kerckx (pixabay.com)

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Johanna Eckart

Freie Autorin bei SOCIALMEDIALERNEN.com
Schulleiterin aus St. Radegund bei Graz (Österreich)
Volksschule St. Radegund
Motto: Konsequent, sangesfreudig und engagiert
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