Sorgen der Eltern zu Instagram wachsen – übermäßiges Sexangebot

Sorgen der Eltern zu Instagram wachsen – übermäßiges Sexangebot

Sexualerziehung in sozialen Netzwerken

Sie sind stellenweise 8 und 9 Jahre alt, die süßen kleinen Kids, die in den Grundschulen noch nicht die eigene Sprache richtig beherrschen aber bereits über ein eigenes Smartphone verfügen und erstaunlich gut damit umgehen können. Wen wundert es, wenn es diesen Kindern gelingt mit einem Fingertipp Applikationen runterzuladen?

Instagram hat über 500 Millionen aktive Nutzer, zumeist Jugendliche. Instagram selbst äußert sich nicht auf seiner Internetseite über Altersstrukturen. Laut dem Portal Statista werden weltweite Altersangaben erst ab 16 Jahren geführt und sind dort für das letzte Quartal 2014 verfügbar. Diese Daten dürfen aber bezweifelt werden. Allein deshalb schon, weil z.B. etliche Kinder in brasilianischen Grundschulen über ein Smartphone mit zahlreichen Netzwerkapplikationen verfügen und deutlich unter 16 Jahren alt sind. Und diese jungen Kids stellen eine wichtige Käuferschicht dar, und dass nicht nur in Brasilien. Das Unternehmen L2inc.com zeigt genauere Informationen im Netzwerkvergleich „Instagram gegen Snapchat“ auf und startet beim erlaubten Alterseintritt von 13 Jahren. Stolze 41% aller Instagram-Nutzer sind 13 bis 24 Jahre jung (Quelle L2inc.com, 2015).

Was macht den Reiz von Instagram aus?

Instagram ist besonders leicht zu bedienen. Egal ob man Fotos oder Videos einstellt oder danach sucht – Instagram ist das Portal, das die Sinne der Kids zu Bekleidung, Schönheit, Schmuck und Autos anspricht. Und bei allem Glamour ist auch die Pornoindustrie nicht weit. Ist man erst einmal auf Instagram angemeldet, genügt es, die Suchfunktion mit „sex“ oder „porno“ zu schmücken und schon öffnet sich eine lange Auswahlliste mit zahlreichen Fantasienamen, die die Neugierde der Jugendlichen wecken dürfte. Hinzu kommt, dass Jugendliche schnell lernen, wie sie sich selbst in verschiedenen Posen zeigen können. Was für manchen Erwachsenen schon eine gewagte körperliche Haltung darstellt, ist für Jugendliche oftmals der Ausdruck ihrer selbst. Sie sehnen sich nach dem Kick, dass jedes ihrer Fotos ein Like nach dem anderen bekommt. Je wilder, heißer und obszöner die Darstellung, umso mehr Aufmerksamkeit und Kommentare folgen. Für kurze Zeit sind sie ein Star in virtueller Welt.

Registrierung ohne Schutzmechanismus

Die Registrierung bei Instagram erfolgt ohne jegliche Altersangabe. Dabei ist es egal, ob man die mobile Applikation oder den heimischen Rechner benutzt. Instagram ist ein Minimalist, was die Registrierungsprozedur angeht. Zwar besagen die Nutzungsbedingungen, dass das Mindestalter 13 Jahre sein muss, doch was nützt es, wenn jeglicher Kontrollmechanismus fehlt? Kids lieben es simpel, anonym und wollen ihrer Peergroup zugehörig sein; dazu groß und erwachsen wirken

(Nachfolgend die Screenshots zum Anmeldeverfahren der Instagram-Applikation via Smartphone anhand der Eingabe einer Fantasie-Emailadresse und eines Fantasie-Benutzernamens)

Regeln gibt es in den Instagram-Nutzungsbedingungen einige, wie z.B. das keine Nackt- bzw. Teil-Nackt-Fotos eingestellt werden dürfen; doch bei der Fülle an sexuellen Themen, die Instagram führt, scheinen diese Regeln eher Makulatur zu sein. Instagram setzt auf das Vertrauen ihrer Community, das diese unanständigen Einträge von sich aus an Instagram melden. Was aber dürfte die Realität sein? Sind Kids tatsächlich so vernünftig und melden das, was sie vielleicht noch nie oder bisher wenig gesehen haben? Oder ist es wahrscheinlicher, dass das „Entdeckte“ an Freunde und Bekannte weiter verschickt und geteilt wird?

Man kann davon ausgehen, dass Kids nicht richten werden, sondern ihre Neugierde befriedigen möchten und dabei ihre Entdeckerlust ausleben. Die Vernunft eines Erwachsenen findet bei Kindern wenig Beachtung. Viel zu schnell sieht man in ihnen kleine Erwachsene. Mit 99%iger Sicherheit konsumieren Kids das, wovor sie ihre Eltern immer gewarnt haben – willkommen in der von Eltern unbemerkten Sexualerziehung.

Instagram mauserte sich zu einem Netzwerk der Selbstdarstellung und des Voyeurismus. Der Eine liked, der Andere postet. Je größer die Likes (Fans) eines Anwenders, desto größer wächst der Druck auf sie, ihre Follower nicht enttäuschen zu wollen. Also füttern sie fleißig ihren Instagram-Account mit Bildern weiter. Kommentare von allen Beteiligten könnten dazu führen, dass die Hemmschwelle des Posters sinkt. „Mit etwas weniger siehst du noch besser aus“, wäre ein möglicher Kommentar für das Ergattern freizügigerer Fotos. Für manchen Jugendlichen ist die Instagram-Nutzung wie der Zug an einer Zigarette oder der Kick einer Droge; anfangs wirken sie stimulierend, doch saugen sie einen später immer mehr aus.

Wie die Aktivitäten unter Kontrolle bekommen?

Wir als Eltern wünschen uns den Schutz und die Kontrolle über alles Gefährliche, was unseren Kindern an Unannehmlichkeiten im Leben widerfahren könnte. Manche Erfahrungen sollen unsere Kinder einfach nicht machen, wissen wir aufgrund unseres Erfahrungsschatzes. Wäre dies aber nicht der verkehrteste Weg, den wir unseren Kindern ebnen würden?
Instagram nimmt den Anwendern den Alltagsdruck der Pflichterfüllung und zeigt das unkomplizierte Leben des Erfolgs auf. Der Eigenantrieb beschränkt sich auf schnelle virtuelle Handlungen, was zu oberflächlichen Verhaltensweisen und zur Abstumpfung der Empathie führt. Zerstört wird der Wert des eigenen Lebens, weil man sich ständig mit anderen Menschen in der Welt vergleicht. Jugendliche haben meist nur den Blick auf die, die mehr erreicht haben, als sie selbst. Glanz und Glamour, fit und glücklich oder schön und reich sein – Instagram nutzt die Psychologie, um die Sehnsüchte junger Menschen zu wecken.
Ja, vor solchen Gefahren wollen wir unsere Kinder schützen. Und damit uns das gelingt, ist Prävention und Aufklärung wichtiger denn je. Als Eltern haben wir die Erziehungspflicht, Probleme offensiv anzusprechen und Portalbetreiber in die Pflicht zu nehmen. 
Würde z.B. Instagram den Zugang zur Pornografie gezielt einschränken, wäre gewichtiges Gefährdungspotential eingedämmt. Die Praxis zeigt jedoch, dass das nicht passierte und jegliche Selbstverpflichtung scheiterte.

Als kurzfristige Maßnahmen sind der Verstand und das Bewusstsein der Jugendlichen zu schärfen. Mittelfristig eine Gesetzgebung ins Auge zu fassen. Langfristig wird sich in der Gesellschaft eine Richtung entwickeln müssen, die den Umgang unter einander fördert und die Empathie für den anderen erfahren lässt, auch dann, wenn Gestik und Mimik fehlen.

Instagram kann einen zu großen Ideen inspirieren, zu tollen kreativen Impulsen verhelfen und einen auch zum Lachen bringen. Das bedeutet ebenso zu lernen, sich und sein eigenes Handeln zu begrenzen und zu entwickeln.

Titelfoto: Dank an quinntheislander (pixabay.com)

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Thorsten Wollenhöfer

Autor & Dozent bei SOCIALMEDIALERNEN.com
Betrieblicher Ausbilder (IHK)
Lehrkräftefortbilder (HLbG)
Spezialist für Strategisches Internet Marketing (SIM)
Zertifizierter Multiplikator für Elternschulungen des Hessischen Kultusministeriums
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