Smartphones machen ihre Nutzer depressiv

Smartphones machen ihre Nutzer depressiv

Es ist erwiesen, dass der durchschnittliche Handynutzer etwa 150 mal am Tag auf sein Gerät schaut und gut ein Drittel aller Smartphone-Nutzer von ihrem Gerät abhängig sind. Jeder sollte eigentlich wissen, dass der Gebrauch von digitalen Medien genauso schädlich sein kann wie der Konsum von Alkohol und Drogen. Es bestimmt stets die Menge den Grad der Schädlichkeit. Eine neue Studie geht nun davon aus, dass Smartphones die Nutzer depressiv machen.

Gemäß der neuen Baylor University Studie versuchen Handynutzer ihre negative Stimmung zu verbessern, in dem sie ständig den Status ihres Smartphones prüfen. Die Studie untersuchte die Verbindung zwischen der Telefonsucht und der Persönlichkeit eines Nutzers. Die übermäßige Verwendung geht Hand-in-Hand mit der emotionalen Instabilität, fanden die Forscher heraus. Die Studie wurde bereits im Juni in der Zeitschrift „Personality and Individual Differences“ veröffentlicht, jedoch von der Daily Mail erneut aufgegriffen.

Die Forscher befragten 346 Studenten anhand einer Online-Umfrage, um die Smartphone-Nutzung zu messen. Insgesamt wurden fünf Persönlichkeitsmerkmale untersucht: Gewissenhaftigkeit, Offenheit, Verträglichkeit, Neurotizismus (Labilität eines Charakters) und Weltoffenheit.
Die Daten zeigten, dass diejenigen, die ihr Smartphone häufiger nutzten viel anfälliger für Stimmungsschwankungen, Materialismus und temperamentvolles Verhalten waren, als die Vergleichsgruppe. Dazu waren sie weniger in der Lage, ihre Aufmerksamkeit auf die Aufgaben zu fokussieren. Diese Feststellungen könnten mit der allgemein verbreiteten Meinung einer unglücklichen Stimmung des Nutzers Hand-in-Hand gehen. Deshalb überraschte es auch nicht, dass impulsive Menschen suchtanfälliger für die Smartphonenutzung waren. Und trotz der Stereotypen von Introvertierten, die man gewöhnlich auf Partys mit ihrem Smartphone alleine sitzen sieht, Introvertiertheit war ein Ergebnis, das nicht mit der Smartphonesucht in Verbindung gebracht werden konnte, so die Forscher.

„So, wie Abhängige in Drogen die „Erfüllung“ suchen, so ist der Handysüchtige glaubend, seine Stimmung durch die permanente Handynutzung zu verbessern“, schrieben die Autoren der Studie. Unablässiges Prüfen von Emails, Senden von Nachrichten, Twittern von Texten und Surfen im Internet kann als Beruhigungsmacher für instabile und individuelle Ablenkung von den Sorgen eines Tages angesehen werden. Dieser Trost hält bei den Süchtigen aber nur vorübergehend an. Frühere Forschungen attestierten den Handynutzern bereits Einsamkeit und Schüternheit, schlechten Schlaf und wenig Ambitioniertheit in Schule und Beruf.

Interessant ist, dass die Digitialisierung auch in der Schule nicht mehr aufzuhalten sein wird, trotz aller Widerstände der Verantwortlichen. Erst kürzlich erschien eine deutsche Studie der BITKOM e.V., in der die Ergebnisse aus einer Schüler- und Lehrerbefragung zum Thema „Digitale Schule – vernetzes Lernen“ untersucht wurde. Befragt wurden 502 Lehrer der Sekundarstufe I und 512 Schüler zwischen 14 und 19 Jahren. Die Studie wurde mit einer Befragung aus den Jahren 2010 bzw. 2011 der BITKOM verglichen, um die Veränderungen aufzuzeigen.

So möchten wir zunächst einmal die Ergebnisse und die damit verbundenen Forderungen der BITKOM zitieren:

Die Ergebnisse zeigen: Digitale Medien sind zwar längst in der Schule angekommen, aber häufig sind Schüler und Lehrer mit der technischen Ausstattung unzufrieden. Dies mag auch erklären, warum das Potenzial digitaler Lernmittel bei weitem noch nicht ausgeschöpft wird.

BITKOM fordert deshalb eine Digitale Agenda für Schulen, die vor allem darauf setzt, die Ausstattung zu verbessern, die Weiterbildung voranzutreiben und den Unterricht auf die heutigen Anforderungen auszurichten. Dafür ist es notwendig, gleichzeitig in Hardware und in Köpfe zu investieren. Dazu bedarf es auch systematischer und verbindlicher Weiterbildungsmöglichkeiten für alle Lehrer, unterstützt durch entsprechende Coaching-Angebote.

Vieles was die Studie thematisiert ist richtig. So beispielsweise die ungenügende technische Ausstattung der Schulen, die fehlende Ausbildung der Lehrer in Sachen Medienkunde und -nutzungsmöglichkeiten. Dazu wird auch richtig erkannt, dass sowohl Lehrer als auch Schüler es als wichtig ansehen, digitale Medien im Unterricht einsetzen zu können. Gerade Lehrkräfte befürworten dies.

Interessant ist, dass nach wie vor die Fotokopie mit 85% bei den Lehrern als Unterrichtsmaterial hoch angesehen ist. Hingegen das Smartphone mit 7% weit vom Schulalltag entfernt ist, obwohl Lehrer und Schüler nahezu alle eins besitzen. Das dürfte dadurch erklärbar sein, dass es an vielen Schulen ein generelles Handyverbot gibt (s. S. 31 der Studie).

BITKOM Studie - Wichtigste Ergebnisse - Nutzung digitaler Medien im Unterricht

Fotokopie 85%
Whiteboards 35%
Laptops 34%
Overhead 31%
Stationärer PC 28%
Beamer 25%
Smartphone 7%

Große Einigkeit herrscht bei Lehrern und Schülern mit dem Wunsch nach mehr digitalen Themen im Lehrplan. Ein Tenor, der bei den Kultusministerien bisher kaum Zustimmung fand. 82% der Schüler und 89% der Lehrer sehnen sich geradezu nach mehr Medienkompetenz und digitalen Unterrichtsinhalten (s. S. 47 der Studie).

Dank der Informationstechnologie und der dazugehörigen Geräte und Netze bleiben Schüler und Lehrer auch nach dem Unterricht in Kontakt. Der Austausch findet überpropotional via Email statt und recht wenig über die Sozialen Medien. Dies lässt sich dadurch erklären, dass insbesondere den Lehrern es oftmals verboten ist, soziale Netzwerke als Medium zur Kommunikation zu benutzen (s. S. 54). Der Hinweis auf Seite 52 der BITKOM-Studie ist dahingehend verwirrend, dass neben den Lehrern auch die Schüler die Email als favorisiertes Kommunikationsmittel angeben. Wenn die Emailnutzung die mit Abstand gebräuchslichste Form unter den Lehrern darstellen soll, dann bleibt den Schüler kaum eine Alternative zur Kontaktaufnahme. Aus unserer Kenntnis heraus, ist die Email bei Jugendlichen eher unbeliebt. Und leider ist die Kernaussage, dass zwei Drittel der Schüler in ihrer Freizeit mit digitalen Medien lernen würden leider wenig aussagekräftig, weil keinerlei Information zur Qualität erkennbar ist (s. S. 56).

Alles in allem ist die BITKOM-Studie 2015 ein wichtiger Anhaltspunkt zur Entwicklung der Digitalisierung im Klassenzimmer und sollte unter den Lehrkräften und Ausbildern Beachtung finden. Unbedingt berücksichtigt werden sollten dazu die Erkenntnisse zu möglichen Suchtgefahren internationaler bzw. nationaler Studien, um die Medienkompetenz umfassend den Jugendlichen vermitteln zu können.

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Thorsten Wollenhöfer

Autor & Dozent bei SOCIALMEDIALERNEN.com
Betrieblicher Ausbilder (IHK)
Lehrkräftefortbilder (HLbG)
Spezialist für Strategisches Internet Marketing (SIM)
Zertifizierter Multiplikator für Elternschulungen des Hessischen Kultusministeriums
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1 Kommentar auf "Smartphones machen ihre Nutzer depressiv"

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Armend
Gast
Also ich habe mir vor kurzem ein Smartphone bzw. Junkyphone gekauft und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich es bereue. Ich habe mich selbst erwischt, wie ich mich von meiner natürlichen Lebensumgebung immer mehr entfernt habe und ich meine Zeit immer mehr in die virtuelle Welt vergeude. Bevor ich ein Smartphone hatte, hatte ich ein stinknormales Handy, womit ich telefonieren und sms versenden konnte. Ich werde auf jeden fall mein Smartphone verkaufen und mein altes Handy wieder benutzen und ich kann alle anderen Smartphone Nutzer ermutigen ein Selbsttest zu machen wie ihr z.B. ein Monat lang mit ein normales… Read more »
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