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Studie: Je mehr man online kommentiert, desto dümmer werden die Kommentare

Studie: Je mehr man online kommentiert, desto dümmer werden die Kommentare

Die Original-Studie ist als Quellenangabe beigefügt

Soziale Netzwerke bringen es mit sich, dass der „soziale“ Austausch in den Portalen zu heftigen Diskussionen führen kann. Denn nur die Aktivitäten der Nutzer halten das Leben dieser Netzwerke aufrecht. Und so passiert es, dass irgendwann jeder Teilnehmer auf eine Diskussion stößt und Kommentare liest, die so ungeheuerlich sind, dass man sich dazu äußern muss. Daraus ensteht schnell ein digitaler Kampf, der das eigene Denken nicht klarer und wertvoller macht, fand nun eine Studie heraus.

Die University of Southern California untersuchte mehr als 40 Millionen Kommentare auf der Social-Media-Website Reddit. Und in der Tat, je länger man sich mit der Kommentierung befasste, desto dümmer und weniger kohärent wurde die Beteiligung der Kommentatoren. Hat man mehr als eine Stunde Zeit damit verbracht, wurden die Kommentare kürzer, weniger anspruchsvoll und erhielten weniger Upvotes (Zustimmungsvergabe) und weniger Antworten der Beteiligten.

„Je länger ihre Online-Sitzungen werden, desto weniger bedeutungsvoll und weniger komplex wird ihr Sprachgebrauch“, sagte der Computerwissenschaftler und Co-Author der Studie, Dr. Emilio Ferrara. „Ihr Inhalt wird in einem gewissen Sinn weniger interessant und verliert an Bedeutung“. Die Studie der University of Southern California ist jetzt ausschließlich auf das Portal Reddit zugeschnitten, doch hofft Ferrar, dass künftige Forschungen sich auf andere Netzwerke, wie Facebook oder Twitter, erstrecken werden, um zu prüfen, ob dortige Kommentare und Unter-Kommentare auch mit Müdigkeit verbunden sein werden.

Die Forscher untersuchten ausschließlich die Länge der Kommentare und deren grammatische Komplexität. Ob aber die Kommentare der Nutzer mit der Dauer der Kommentierung ekliger und gemeiner wurden, lässt sich nicht sagen.

In der Regel geht geht man davon aus, dass Kommentierungen von wirklich anwesenden Teilnehmern erfolgten, was vielfach gar nicht der Fall zu sein scheint. Es gibt inzwischen zahlreiche Chat-Bots im Umlauf, die lediglich die Aufgabe haben, die Reputation gesellschaftlich weniger beliebter Personen positiv zu beeinflussen. Erst kürzlich berichtete die Tagesschau, wie Carsten Maschmeyer die Dienste sogenannter „Fake-Fans“ in Anspruch nahm, um sein Image aufzupolieren. Dass ein solcher Chat-Bot aber auch schädlich wirken kann, musste Microsoft feststellen, als sie ihren neuen AI Chatbot (AI = Artificial Intelligence, Künstliche Intelligenz) testweise im Einsatz hatte und dieser nach 24 Stunden Hasskommentare verbreitete.

Ob grundsätzlich ein öffentlicher Diskurs dadurch ins Wanken gerät, lässt sich für den Wissenschaftler Ferrara noch nicht sagen. Die Ergebnisse bestätigen jedoch frühere Studien und sie zeigen, dass die Aktivitäten immer schlimmer und destruktiver wurden, je mehr Zeit sie mit einer einzigen Geschäftigkeit verbrachten. „Der Mensch ist nun mal in der Lage, nur eine bestimmte Menge an Informationen in einer bestimmten Zeitspanne zu verarbeiten. Findet eine Überforderung statt, dann kann dies bei den Nutzern einen Burnout hervorrufen“, so Ferrara.

Die Studie der University of California wirft auch Fragen über die Qualität öffentlich geführter Debatten in den USA auf; sowohl im Internet, als auch in der klassischen Medienlandschaft. Gerade im Internet zeigt sich die blamierende und zerstörerische Wirkung auf die amerikanisch geführten Debatten, wenn man in den Kommentierungen schnell die Etikette abwirft. Ferrara selbst aber sagte, dass es keine Beweise dafür gäbe, dass die albernen oder unfassbaren Kommentare Einfluss bzw. Auswirkungen auf den öffentlich geführten Diskurs habe. Derzeit könne keine Aussage dazu getroffen werden, so Ferrara. Vieles hängt davon ab, welche Art von Nutzern an einem Gespräch beteiligt sind.

Die Studie „Evidence of Online Performance Deterioration in User Session on Reddit“ kann als PDF-Dokument geladen werden (auf Englisch, 23.04.2016, arxiv.org)

Foto: Danksagung an Peggy_Marco (pixabay.com).

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Thorsten Wollenhöfer

Autor & Dozent bei SOCIALMEDIALERNEN.com
Betrieblicher Ausbilder (IHK)
Lehrkräftefortbilder (HLbG)
Spezialist für Strategisches Internet Marketing (SIM)
Zertifizierter Multiplikator für Elternschulungen des Hessischen Kultusministeriums
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